| |
Nachzucht
Der Bayerische Jagdfalkenhof Schillingsfürst züchtet seit Jahren eine
Vielzahl heimischer und nicht heimischer Greifvogelarten nach und stellt
diese auch, teilweise kostenlos, zu Auswilderunsgzwecken zur Verfügung
um die Bestände bedrohter Greifvogelarten in freier Natur zu erhalten
oder zu stärken.
Nachgezüchtet werden verschiedene Adlerarten (Riesenseeadler,
Europäischer Seeadler, Weißkopfseeadler und Steinadler), die vier
europäischen Geierarten (Mönchs-, Bart-, Gänse und auch Schmutzgeier),
diverse Falkenarten (Ger-, Wander- und Sakerfalke) und verschiedene
Eulenarten (Schnee-Eule, Bartkauz, Europäischer Uhu und Bengalen-Uhu).
Hier
eine kurze Beschreibung unserer wichtigsten Zuchtpaare
Riesenseeadler
1994 erhielt der Bayerische Jagdfalkenhof Schillingsfürst vom Zoo Moskau
2 Riesenseeadler Jungvögel um sie falknerisch einzufliegen und sie bis
zu ihrer Geschlechtsreife den Besuchern des Falkenhofes in der
Präsentation zu zeigen.
Genau nach der Vorstellung der Falkner wurden mit dem 7. Jahr, im
Februar und März 2000, das erste Ei gelegt. Allerdings verstand sich das
Paar nicht äduquat gut und es stellte sich kein Nachwuchs ein.
So reifte der Entschluss zur künstlichen Besamung des weiblichen Vogels.
Durch die sehr guten Kenntnisse der Falkner über das Verhalten der
Riesenseeadler konnte man die Eiablage genau eingrenzen. Das künstlich
befruchtete Ei wurde 36 Tage im Brutapparat bebrütet, mit Erfolg, so
dass der kleine Riesenseeadler ohne Komplikationen am 22. April 2001
schlüpfte. Der Jungvogel erfreut sich bester Gesundheit und wurde von
"Pflegeeltern", einem Weisskopfseeadlerpärchen großgezogen. Weltweit
dürfte das die erste Nachzucht unter künstlichen Besamung sein. Der
Bayerische Jagdfalkenhof hat hiermit, im Rahmen des internationalen
Artenschutzprogrammes einen äußerst wichtigen Beitrag geleistet. Im
Jahr 2004 stellte sich gleich doppelter Nachwuchs bei den
Riesenseeadlern ein. Seit dem Jahr 2004 konnten sich die Falkner über
regelmäßigen Nachwuchs freuen.
Schmutzgeier
Deutschlands erste Schmutzgeier-Nachzucht ist auf dem Bayerischen
Jagdfalkenhof Schloss Schillingsfürst gelungen.
Am 8.Mai 2000 legten die auf dem Bayerischen Jagdfalkenhof seit Jahren
in einer Zuchtvoliere lebenden Schmutzgeier ihr erstes befruchtetes Ei
das voll intakt war. Eine Woche zuvor hatten sie bereits ein Ei gelegt
was aber durch die beiden Altvögel zerstört wurde. Um das zweite Ei vor
dem selben Schicksal zu bewahren, brachten die Mitarbeiter des
Falkenhofes das intakte Ei sofort in eine Brutmaschine, um es dort unter
ständiger Beobachtung in 42 Tagen auszubrüten. Am 21. Juni pickte der
junge Schmutzgeier selbstständig die Eierschale an und brauchte bis zum
23. Juni um voll und ganz zu schlüpfen. Der junge Schmutzgeier wurde von
den Falknern des Bayerischen Jagdfalkenhofes von Hand großgezogen.
Dieser Zuchterfolg gibt wieder den Befürwortern des Europaeischen
Erhaltungsprogrammes recht, die mir der Erhaltung eines in Zoos und
Tierparks eingebrachten Genpotentials für die Erhaltung einer möglichst
großen Artenvielfalt in der Natur kämpfen. Gerade bei den Europaeischen
Schmutzgeiern ist es nötig, ein möglichst großes Genpotential in
Gefangenschaft zu besitzen, da diese Geierart stark vom Aussterben
bedroht ist. So stark, dass sie im Washingtoner Artenschutzabkommen auf
die Liste 1 der besonders vom Aussterben bedrohten Tierarten aufgenommen
ist.
Trotz dieser internationalen Schutzmassnahmen gehen die Bestände dieser
faszinierenden Geierart Jahr für Jahr in Europa zurück. Hauptgrund für
den starken Rückgang der Schmutzgeier Population, z.B. im ehemaligen
Jugoslawien, ist das Ausbringen von vergifteten Fleischködern durch die
dort ansässige Landbevölkerung. Eigentlich wollen diese Menschen in dem
vom Krieg sehr gezeichneten Ländern nicht die Schmutzgeier töten,
sondern die in diesen Landstrichen sehr häufig vorkommenden Braunbären,
die den Bauern Vieh reißen. Bei diesen Vergiftungsaktionen werden aber
hauptsächlich die europäischen Geierarten in Mitleidenschaft gezogen und
stehen kurz vor ihrer Ausrottung. Selbst durch das strikte Verbot der
Giftausbringung und die Aufklärung der Bevölkerung, konnte man bis heute
keine Erfolge verzeichnen. Vermutlich wird sich an dieser Situation auch
in den nächsten Jahren nichts ändern, da die Landbevölkerung in diesen
Gebieten selbst um ihr Überleben kämpft und der Verlust von auch nur ein
oder zwei Schafen einem Bauern die Existenzgrundlage entzieht. Auch in
Griechenland, in den Meteoraklöstern, wo noch vor einigen Jahren
Kolonien von Hunderten von Geiern lebten, sind die Bestände der
europäischen Geierarten stark zurückgegangen und haben sich auf
vereinzelte Geier reduziert.
Gänsegeier
Das Gänsegeier-Paar "Mut" und "August" in der Zweigstelle im Wildpark
Schloss Tambach zieht schon seit langem jedes Jahr erfolgreich zwei
Jungvögel groß. Auch in diesem Jahr werden sie für Nachwuchs sorgen.
Nach 53 Bruttagen schlüpft der erste kleine Gänsegeier. Aus
Sicherheitsgründen wird er zunächst von Hand aufgezogen. Nach ca. 3
Wochen, wenn das 2. Gelege nach 10 Tagen Brutzeit im Nest dann im
Brutschrank weiter ausgebrütet wird, darf der Jungvogel wieder zurück zu
den Eltern. Die Gänsegeier ziehen in der Natur nur ein Junges groß. Das
Nachgelege dient zur Arterhaltung. Die kleineren, schwächeren Jungen
werden jedoch verstoßen oder getötet. Da dies verhindert wird, freut man
sich über die doppelte Anzahl Gänsegeier-Jungvögel auf dem Falkenhof.
Die kleinen Gänsegeier auf dem Bayerischen Jagdfalkenhof werden in den
ersten Lebenswochen dreimal täglich von den Falknern gefüttert und
liebevoll versorgt.
Europäische Seeadler
Die europäischen Seeadler des Bayerischen Jagdfalkenhofes wurden bis zur
Geschlechtsreife in den täglichen Flugvorführungen eingesetzt und sind
nun in einer großen Zuchtvoliere. Dort stehen sie als Paar zusammen und
in der Balzzeit erfolgt die natürliche Befruchtung. Auch hier gibt es
seit Jahren Jungvögel die von der energischen Adlermutter vehement
verteidigt werden.
Weisskopfseeadler
Die Weisskopfseeadlerpaare hatten in den letzten Jahren meist mehrfachen
Nachwuchs. Da sie normalerweise nur ein Junges großziehen, ist dies sehr
erfreulich für die Falkner.
|
Art |
Wissenschaftliche Bezeichnung |
1999 |
2000 |
2001 |
2002 |
2003 |
2004 |
2005 |
2006 |
2007 |
2008 |
2009 |
|
Bartgeier |
Gypaetus
barbatus |
2 |
- |
1 |
1 |
- |
- |
- |
1 |
- |
- |
- |
|
Gänsegeier
|
Gyps fulvus |
2 |
1 |
1 |
2 |
2 |
1 |
- |
2 |
2 |
2 |
- |
|
Mönchsgeier |
Aegypius
monachus |
2 |
- |
1 |
1 |
2 |
- |
- |
1 |
- |
1 |
- |
|
Schmutzgeier |
Neophron
percnopterus |
- |
1 |
Altvogel
verstorben |
-
|
- |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
|
Riesenseeadler |
Haliaeetus
pelagicus |
- |
- |
1 |
- |
- |
2 |
2 |
2 |
3 |
- |
3 |
|
Europäischer
Seeadler |
Haliaeetus
albicilla |
3 |
- |
2 |
- |
- |
- |
2 |
- |
1 |
2 |
2 |
|
Weißkopfseeadler |
Haliaeetus
leucocephalus |
- |
3 |
3 |
2 |
Altvogel verstorben |
- |
- |
- |
Neues Paar |
1 |
2 |
|
Steinadler |
Aquila
chrysaetos |
5 |
- |
- |
3 |
Zuchtpaar zu
alt |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
|
Steppenadler |
Aquila
nipalensis |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
Neues Paar |
1 |
- |
1 |
- |
|
Gerfalke |
Falco
rusticolus |
4 |
4 |
1 |
1 |
4 |
- |
- |
Neues Paar |
- |
3 |
5 |
|
Wanderfalke |
Falco
peregrinus |
3 |
3 |
6 |
3 |
6 |
- |
4 |
- |
Neues Paar |
- |
- |
|
Habicht |
Accipiter
gentilis albidus |
3 |
6 |
4 |
4 |
6 |
3 |
5 |
4 |
4 |
3 |
3 |
Diese Zuchtstatistik spiegelt nicht die Anzahl der
gesamten Nachzuchten wieder, sie basiert auf der Anzahl der Jungvögel
pro Zuchtpaar der entsprechenden Art.
Weltpremiere mit sensationellem Zuchterfolg !
Riesenseeadler-Junges auf dem Bayerischen Jagdfalkenhof Schloss
Schillingsfürst.
Erster Zuchterfolg auf künstlicher Basis zur Erhaltung des
Riesenseeadlers.
Zur Erhaltung des Riesenseeadlers (Haliaeetus pelagicus) ist neben dem
Schutz in den Ursprungsgebieten eine Intensivierung und Koordination der
Zuchtbemühungen in Zoologischen Gärten und an deren interessierten
Institutionen nötig.
Der Bayerische Jagdfalkenhof ist Gründungsmitglied der 1995
konstruierten "Zuchtgemeinschaft Riesenseeadler" zusammen mit dem
Tiergarten Nürnberg, Zoo Berlin, Zoo Moskau und Zoo Prag. Der Bayerische
Jagdfalkenhof beteiligt sich als Mitglied im EEP (Europäisches
Zuchterhaltungsprogramm) und in Zusammenarbeit mit dem WWF (World
Wildlife Fund for nature) international an der Nachzucht und
Auswilderung vom Aussterben bedrohter Greifvögel. Seit 1997 ist der
Bayerische Jagdfalkenhof in die EAZA (European Association of Zoos and
Aquaria) als bisher einzige Institution seiner Art aufgenommen worden.
Der am 22. Apri1 2001 geborene Riesenseeadler bedeutet eine absolute
zoologische Rarität. Erstmals ist die Nachzucht eines Riesenseeadlers
durch künstliche Befruchtung gelungen.
Ein ungleiches Zwillingspärchen auf dem Bayerischen Jagdfalkenhof in
Schillingsfürst
Die ersten Vogelbabys sind schon geschlüpft. Pünktlich zur Eröffnung der
neuen Saison und zur Freude der Falkner und auch der Besucher des
Falkenhofes sind am selben Tag, am 10. März 2002, je 1 Bartgeier- und 1
Gaensegeier Junges geschlüpft. Sie werden jetzt gemeinsam liebevoll von
den Berufsfalknern gehegt und gepflegt.
Nachwuchs bei weiteren vom Aussterben bedrohter Greifvögel ist in den
nächsten Tagen und Wochen zu erwarten.
Falken, Riesenseeadler, Europäische Seeadler, Weisskopfseeadler,
Mönchsgeier und auch Uhus, Käuzchen und Eulen sind vertreten.
Die Besucher haben die Gelegenheit, die flauschigen Greifvogelbabys in
ihrer Kinderstube aus nächster Nähe zu bewundern.
Die erfolgreiche Nachzüchtung in der Tierhaltung, wofür sich der
Bayerische Jagdfalkenhof Schloss Schillingsfuerst stark einsetzt, ist
für den Fortbestand und die Artenerhaltung solcher Greifvögel
unverzichtbar.
Der Bayerische Jagdfalkenhof ist seit 1997 in die EAZA, European
Association of Zoos and Aquaria, als bisher einzige Institution seiner
Art aufgenommen worden. Außerdem ist er Mitglied im EEP, Europäisches
Erhaltungszuchtprogramm, und stellt einen Teil seiner Nachzuchten
Auswilderungsprogrammen zur Verfügung. Beispielsweise seit Jahren
Bartgeier für das WWF Auswilderungsprogramm "Rauristal" in den
österreichischen Alpen. Die dort ausgewilderten Bartgeier wurden in
Kooperation mit dem Nürnberger Tiergarten gezüchtet, mit dem der
Bayerische Jagdfalkenhof eine besonders enge Zusammenarbeit pflegt.
|